Leises Gold - Gefühlte Harmonie mit dem Geschmack von Tönen

Musikportrait Stefan Leisegold - Künstler, Musiker, Kritiker ans Leben

Am 26.Mai traf ich den Künstler und Musiker Stefan Leisegold in einer Kaffeerösterei im schönen Hamburg. Ich war sehr neugierig auf den Menschen der hinter Leisegold steckt. Aufmerksam geworden bin ich auf den Künstler durch die Vorankündigungen zu seinem neuen Video an dem er aktuell arbeitet. Zu sehen war hier ein Stuhl und eine Glühbirne. Leisegold möchte das Bild reduzieren und seine Musik auf das Wesentliche konzentrieren und erklärt mir: „Auf dem Stuhl wird gesessen und die Songs haben ihre dunkle Schattierungen, die Glühbirne bringt den Worten Licht.“

Was einfach und banal klingt hat einen tieferen Sinn. Der bekannte Musiker Finian Paul Greenal der Band Fink gab dem Künstler bei einem musikalischen Treffen folgendes mit auf den Weg: „Frag dich, was ist das Wichtigste an der Stelle in deinem Song“. Für Leisegold eine Herausforderung, sich insgesamt im harmonischen Kontext auf das Maximale zu reduzieren.

Stefan Leisegold, geboren in Hamburg, lebt heute in Niedersachsen und hat seine Liebe und Verbundenheit zu Hamburg über die Musik neu entdeckt. Die Musik und Texte stammen allesamt aus der eigenen Feder des Singer/Songwriters und er schreibt neben seinen eigenen Songs auch Texte für andere Künstler und auch Werbe-Jingles.

Ein angeschlagener Zettel in einem Kaufladen hat ihn damals als Kind zu seiner ersten Gitarre geführt. Leisegold brachte sich autodidaktisch das Gitarre spielen selbst bei. Und in unserem Interview wird mir schnell klar, dieser Künstler ist mit Leib und Seele den Klängen seiner Gitarren verfallen. Erste Bühnenerfahrung als Solokünstler erlebte der Musiker auf den Open Stages in Hamburg. „Mit Koffer und Gitarre über die Reeperbahn zu wandern, da erfährt man schon eine andere Form der Wahrnehmung und dann die Bühne dazu, Adrenalin pur“, so Leisegold. Heute trägt der Künstler kein Lampenfieber mehr mit sich, sondern er fühlt sich bei seinen Liveauftritten viel mehr elektrisiert.

Das Komponieren seiner Musik findet nicht wie vermutet bei dem elektronischen Sound seiner Gitarren auf dem PC statt, sondern „handmade“ auf der Gitarre. Text und Melodien entstehen zusammen, Leisegold empfindet sich in seiner Musik. Seine Songs sind mal verträumt fast melancholisch, mal treibend aber vor allem ehrlich. Sie erzählen von der Liebe, der Leichtigkeit, vom Leben oder auch von schwierigen Momenten. Der Sänger liebt und lebt die Musik und möchte damit sein Publikum berühren.

Und das Besondere, Leisegold singt und schreibt deutsche Texte. „Ich kann mich schreiben lassen, der Text kann passieren“, so beschreibt der Künstler sein Empfinden für das Wort seiner Songs in seiner Muttersprache. "Es ist einfacher in den großen Metaebenen der deutschen Sprache die Metaphern einfach hervorzusprudeln. Wie beispielsweise: Du rennst davon, schneller als die Zeit - die hast du lang hinter dir gelassen", zitiert er eine Textzeile aus einem seiner Songs.


Auf die Frage, wie der Singer/Songwriter seine Themen findet, kam ein einfaches Statement:
„Die Themen finden dich, wenn du schreibst! Die Lieder finden dich“, erklärt er die Entstehung seiner Songs.
Aus Tönen werden Harmonien, es reihen sich Worte und eine Melodie entsteht. Seine Musik beschreibt Leisegold mit den Worten: "Einiges ist flauschig weich und manchmal schneidet sie". In einem früheren Interview wurde der Musiker mit den Worten beschrieben: Lärm ist Silber und Leise ist Gold. Dies ist eine Wahrnehmung, die mich auch in unserem Interview beschleicht.

Durch den Grunge der 90er und dem TripHop tastete der Musiker sich Akkord für Akkord in seine musikalische Sprache hinein. Vor seinen Auftritten spricht er sein Publikum an mit den Worten: “Wir leben in einer Zeit, die uns ständig aufs Konsumieren und Produzieren reduziert. In solch einer Zeit brauchen wir Räume für Kunst, Liebe, Lachen und Musik, denn dies sind die Reservate der Menschlichkeit.“
Der Musiker erklärt sich mir: “Wenn du Menschen mit deiner Musik berühren willst, musst du dich komplett hineinlegen mit der Gefahr, dass du dich dem Licht der Öffentlichkeit stellen muss. Und dann sollte es Substanz haben, sonst pulverisiert es dich.“ Er kreiert seine Musik, um den musikalischen Moment zu spüren. Seine Liveauftritte beschreibt er wie einen Kreislauf aus Energie: „Du gibst Energie frei und raus an das Publikum und dieses wirft dir die Energie wieder zurück, es elektrisiert dich. Manchmal fühlt es sich an wie 5 Minuten, dabei sind zwei Stunden vergangen und dazwischen ist ein Zeitraum ohne Zeit.“

Ich fragte den Künstler, wie er das Zeitalter der Onlinemedien und Musikuploads für sich empfindet. Leisegold hält es für gefährlich, dass in der heutigen Zeit den Künstlern eine Vielzahl an computerunterstützen Möglichkeiten geboten werden, um Songs zu produzieren. "All die vielen Möglichkeiten können dazu führen einen Song ins Grab zu produzieren", so Leisegold. Songs schieben sich schnell in das binäre Raster, werden einheitlich und verlieren ein Stück ihrer Persönlichkeit.

Der Künstler arbeitet derzeit an der Veröffentlichung seines ersten Albums. Für Leisegold ist klar, dass man heute nicht mehr in Veröffentlichungszyklen denken kann. Seiner Meinung nach sind Musiker im jetzt und hier Softwarehersteller und im Zuge der Onlinegesellschaft sind Platten und CD´s nicht zwingend vorrangig, sondern die Verfügbarkeit der Musik über Softwaredownloads, wie beispielsweise auf den Plattformen Itunes oder Spotify. Die EP´s sind für den Künstler eher Zeitausschnitte, er möchte seine Songs in unterschiedlichen Zeitfenstern und unterschiedlichen Klangfarben herausbringen. Von der EP bis hin zur Vinylprägung, immer tarierter Stück für Stück die Songs mehr auf den Punkt bringen.

Für Leisegold beginnt die Vermarktung von Musik mit ihrer Veröffentlichung. Der Moment der Kunst kann im Netz stattfinden, weil sie dort ihrem Konsumenten begegnen kann. Es findet keine Verschiebung der Aneignung von Kunst statt. Heute kann kein Dritter, wie beispielsweise ein Label oder ein Produzent, zwingend mehr einfach Einfluss nehmen.

In der Musikbranche ist ein Künstler heute in der Lage alles selbst zu entwickeln. Heute kann ein Musiker alles aus einer Hand herstellen bis zur fertigen Produktion. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass man gedanklich ständig umschalten muss und es viel Energie und Zeit kostet. „Zu einem richtigen Moment die Möglichkeiten haben es zu tun, heißt aber nicht automatisch das man es kann“, so Leisegold, „Die Möglichkeit es zu tun bedeutetet nicht das du es kannst.“

Die Frage nach Wünschen innerhalb des Musikbizz beantwortet Leisegold sehr schnell. Mehr Platz für deutsche Songs. „Es wäre wünschenswert auf den Musikplattformen eine Domestik für deutsche Musik zu erschaffen - kurz deutsches Genre. Oft wird nach Pop/Rock, HipHop/Rap, Techno/Elektronisch und vielem mehr eingeteilt. Auffällig ist für den Künstler, dass auf den Plattformen immer nur von Stilrichtungen die Rede ist aber das kein fester Raum für deutschsprachige Musik eingerichtet wird. Leisegold wünscht sich, dass in Deutschland eine Kulturszene für deutsche Musik und Texte aufgezogen wird.

Stichwort Freigeist
„Ja, bin ich, bis hin zum Träumer“ so der Künstler und meine Lebensphilosophie, der Wahnsinn der Normalität, nach einem Zitat von Arno Gruen." Auf die Frage, was ihn von anderen Künstlern unterscheidet, antworte er eher zurückhaltend, lacht dann und möchte die Frage eigentlich lieber an sein Publikum zurückspielen. Leisegold beschreibt sich mit den Worten: „Wenn ich etwas mache, bin ich das was ich bin, wenn ich morgen etwas mache, bin ich schon jemand anderes“. Auf der Webseite von Leisegold, kann man den Künstler zu sogenannten Wohnzimmerkonzerten in die eigenen vier Wände einladen. Wohnzimmerkonzerte – für Leisegold stellen sie mit die schönsten Konzerte dar. Hier erfährt er eine besondere Nähe zum Menschen. „Du dringst mit der Musik in die Privatsphäre des Menschen ein, dass ergibt eine schöne Intimität“, so der Künstler. Sein Dialog entsteht über die Musik.

Was hat Leisegold für Visionen 2016/2017?
Liveauftritte sind für den Künstler immer noch das Wichtigste in seiner Musik, er möchte weiterhin die Nähe zum Publikum in seinen Auftritten und gegebenenfalls auch auf größeren Bühnen spielen. Dazu überlegt sich der Künstler aktuell gerade sich mit anderen Musikern zusammenzufinden.

Die Fertigstellung seiner ersten EP ist ein wichtiger Meilenstein für den Musiker, diese soll noch im Herbst 2016 veröffentlicht werden.

Danke Stefan Leisegold für ein interessantes Interview. Es hat mir einen Einblick in seine Welt der Musik gewährt und mir einige wirklich interessante Denkansätze mit auf den Weg gegeben.

Künstlerportrait Stefan Leisegold // www.leisegold.de
Musik ebenfalls auf iTunes und Spotify zu finden
Last modified onDienstag, 31 Mai 2016 14:50
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