Luzid.Dream.Wasteland: Moritz Baumert mit Project Pandora im Check!

Project Pandora ist ein Progressive Rock-Musikprojekt von Musiker Moritz Baumert aus Dresden, der vergangenen April das erste Album „Luzid.Dream.Wasteland“ unter dem Pseudonym Project Pandora veröffentlicht hat. Okay, seither sind gefühlt circa vier Wochen vergangen. Dennoch möchten wir euch mit diesem Werk und demjenigen, der dafür verantwortlich ist, an dieser Stelle bekannt machen und mit Nachdruck ans Herz legen und weiter ins Gehör vermitteln.

Vorab möge erwähnt sein, dass Musik dieses Genres nicht unbedingt meine erste Wahl ist, wenn ich meinen noch immer im Dienst befindlichen Player mit einer CD füttere. Snippets haben mich dann aber tatsächlich doch neugierig auf „Luzid.Dream.Wasteland“ gemacht. Und schon ab „For Good“, dem Titel an zweiter Stelle der Playlist, war ich vollends angefixt und offen für Moritz Baumert und sein Project Pandora.

Denn ich hörte Melodic Metal in seiner grandiosesten Form: Wenn Instrumente und Gesang so imposant eingesetzt werden, dass die Töne und Harmonien den Hörer fesseln. Weil man das Gefühl bekommt, dass jede angefangene Minute die bereits Gehörte übertreffen könnte. Und wenn man vor dem inneren Auge die wunderbare Kulisse einer rockigen, anrührenden Operette sieht und man jede Sekunde des Gespielten aufnimmt, als verfolge man ein fesselndes Stück. Dann sollte wirklich Interesse geweckt sein. „Erase this Love“, der direkt anschließende Track, klingt etwas mehr Mainstream. Was seiner Qualität natürlich keinen Abbruch macht. Mit diesem Lied ist dem Schaffenden eine Komposition gelungen, die gut und gerne seinen Weg in die Airplays unserer Radiostationen finden könnte.

„Luzid.Dream.Wasteland“ ist ein akustisches Feuerwerk, das mit erstaunlicher Authenthizität und mit viel Hingabe kreiert wurde. Für mich persönlich ist die Platte ein absoluter Geheimtipp! Und würde ich das Album Song für Song analysieren, dann müsste ich wahrscheinlich ein Buch binden lassen müssen. Deshalb in Kürze die Lieder, die ihr euch unbedingt ebenso anhören solltet: „Once“, „Black Out“ (erneut ganz großes Kino!) und „Emily“.

Fazit: Ich bin begeistert! Meine Empfehlung: Besorgt euch die Platte! Ich bin Feuer und Flamme für den Longplayer und werde für die Zukunft meine Präferenzen, was die Fütterung meines CD-Players angeht, absolut ändern. Ich erwähnte zu Beginn meiner Zeilen, dass wir euch Moritz Baumert, den Mann hinter Project Pandora, vorstellen möchten. Deshalb haben wir für euch mit dem sympathischen Künstler geplaudert.

Artistfy: Wie gehst du bei der Produktion deiner Alben vor?

Project Pandora: Ich schreibe Konzeptalben, die sich um ein spezielles Thema drehen. Die Songs hängen inhaltlich zusammen.
Mein Ziel ist es den Hörer in eine andere Welt zu entführen und mit der Musik Geschichten zu erzählen. Ich möchte dass sie sich fallen lassen können und die Musik Emotionen auslöst.

Artistfy: Über ein halbes Jahr ist seit der VÖ vergangen. Seid ihr noch immer zufrieden mit der Platte oder gibt es den ein oder anderen Song bei dem ihr denkt, "der hätte noch auf die Scheibe sollen"?

Project Pandora: Nein. Es ist wie bei einem Buch. Da legt man auch keinen Wert auf einzelne Kapitel. Man muss das schon im Ganzen sehen. Man kann sich auch einen Kuchen vorstellen. Der hat auch nur 360° und der ist dann rund. Da kann man kein Stückchen mehr hinzuaddieren.

Artistfy: Wie lautet denn das Konzept zu dieser Platte?

Project Pandora: Es geht um die Tücken der Neuzeit. Alles wird anonymer, oberflächlicher, man frisst vieles in sich hinein. Die große Großstadt frisst einen auf. So geht es auch dem Protagonisten, der eigentlich alles hat. Der hat eine Familie, der hat tolle Kinder und eine tolle Frau. Aber ihm reicht das irgendwie nicht. Nicht weil ihm das, was er hat, nicht gefällt, Sondern, weil die wichtigen Dinge im Leben nicht mehr zählen. Seine Erfahrungen haben das aus ihm gemacht. Und er hat nie darüber gesprochen, was ihn innerlich zerbrochen hat. Anschließend kam der Alkohol hinzu und seine Freundschaften gingen in die Brüche.

Am Ende aber: Was er erlebt hat, war nur ein Traum. Ein so genanntes „Klarträumen“. Träume die man wahrnehmen und Entscheidungen darin bewusst treffen kann. So hat er quasi in seine Zukunft geblickt, um zu sehen was passiert, wenn er so weiter macht. Und im kommenden Album geht es eben darum, wie er gelebt und aufgewachsen ist. Wie er wurde, was er zum Zeitpunkt des aktuellen Longplayers gewesen ist.

Artistfy: Was kannst du bereits über die nachfolgende Platte verraten?

Project Pandora: Der Nachfolger, der im September 2017 erscheinen wird, schließt an das Album an, als Requel sozusagen. Es gibt einen Zeitsprung zurück in die Zeit vor der Story des Albums.

Artistfy: Es geht also um einen Weg der Erkenntnis und dem Gewinn an Erfahrung?

Project Pandora: Ja, der Mensch wird reifer und versteht seine früheren Taten besser. Nicht im Negativen oder Positiven. Man versteht, was man hätte besser machen können.

Artistfy: Die Konzeption und deine Gedankengänge dabei, zeichnen dich ja schon als gefühlsbetonten Menschen aus.

Project Pandora: Ja, definitiv. Die Musik ist für mich absolut eine Hintertüre zur Seele. Ich mache mir über Vieles Gedanken. Mich interessieren Weltbilder und Menschenbilder. Als Person bin ich jedoch grundätzlich immer gut gelaunt und ein fröhlicher Mensch.. Das ist das Paradoxe daran.

Artistfy: Man kann also sagen, du therapierst bzw. reflektierst die Erlebnisse und Gedanken deiner emotionalen Seite und streifst das dann vom alltäglichen Leben damit ab?

Project Pandora: Ich gehe einfach mit offenen Augen und mit einer positiven Einstellung durchs Leben. Mit Naivität hat das Nichts zu tun. Ich möchte einfach viel wahrnehmen und aufsaugen. Und das alles eben in meine Musik einfließen lassen. Musik ist so ein großer Teil von mir. Da würde jegliche Abstinenz dazu führen, dass ich zugrunde gehe. Da würde mir der Ausgleich fehlen.

Artistfy: Ich finde das ähnelt dem Tagebuchschreiben. Obwohl das außer Mode gekommen ist.

Project Pandora: Ich finde Tagebuchschreiben überhaupt nicht oldschool. Selbstreflektion ist einfach super. Wer das kann, ... ich finde das super.

Artistfy: Bist du ein nachtragender Mensch?

Project Pandora: Ich bin überhaupt nicht nachtragend. Der Mensch ist ein solch vielseitiges Lebewesen. Man kann in vielen Momenten überhaupt nicht beurteilen, wie eine Person in einer bestimmten Situation überhaupt gedacht hat.

Im Gegenteil: Wenn Menschen einfach mal wieder dazu übergehen würden, mehr miteinander zu kommunizieren. Anstatt diesem Facebook usw. Da halte ich nicht viel von. Es ist unwahrscheinlich unpersönlich. Man kann überhaupt keine Gefühle, Betonungen usw des Gegenüber bemerken. Das ist einfach nur oberflächlich. Es geht immer nur darum „Kannst du mir mal das machen?“ oder „Kannst du mir hierbei mal helfen?“. Aber der eigentliche Mensch versinkt im Hintergrund.

Artistfy: Also trägt Social Media zur Verrohung der Menschheit bei?

Project Pandora: Absolut. Aber auf der anderen Seite, ich nutze sie auch. Und ich finde sie auch wichtig. Ich glaube vor allem für Musiker ist es eine wunderbare Plattform, oder auch für Menschen, die Interessen austauschen möchten. Aber man muss sich im Klaren sein, dass das nicht das reale Leben ist. Und dieses realitätsnahe Denken geht bei den jüngeren Menschen immer mehr verloren.

Die Menschen leben ihre Leben und leben diese gleichzeitig nicht. Weil ihre Leben vom Internet bestimmt werden. Ich freue mich beispielsweise an zwischenmenschlichen Kontakten. Wenn ich den Platz in der Bahn für eine ältere Dame frei mache und diese sich dafür bedankt. Das freut mich schon.

Artistfy: Hast du denn bereits einen Song geschrieben, der genau darum handelt?

Project Pandora: Das ganze Album geht darüber. Um die Verrohung in all seinen Facetten.

Artistfy: Wie kamst du dazu, dass du die Entstehung der Platte alleine organisiert hast?

Project Pandora: Ich habe schon immer in verschiedenen Bands gespielt. Mein Problem ist so ziemlich immer gewesen, dass Persönliches keinen Platz in der Musik gefunden hat. Und ich wollte Musik schon immer so umetzen, wie ich es mir in den Kopf gesetzt hatte. Deshalb sagte ich mir, dass mache ich jetzt: Ich habe das Album komplett selbst aufgenommen, komplett selbst komponiert. Den mitwirkinden Musikern habe ich meine Songs gegeben und die haben ihre Parts daraufhin eingespielt. Also war das Album fertig und ausgereift.

Artistfy: Ich hatte zuerst den Eindruck es handele sich um ein Bandprojekt. Jetzt wird erst recht deutlich, dass es dein Solo-Projekt ist.

Project Pandora: Die Songs sind eben alle so persönlich, dass sie kein anderer Mensch nachvollziehen bzw. nachempfinden kann. Jeder hat zu gewissen Themen individuelle Gefühle.

Artistfy: Hast du in die musikalische Richtung studiert oder bist du ein Naturtalent?

Project Pandora: Ich mache gerade Abi, würde später dann gerne soziale Arbeit oder Psychologie studieren, Meine Eltern haben mich damals zur musikalsichen Früherziehung geschickt. Ein Naturtalent bin ich nicht. Talent reicht auch nicht aus. Man braucht Talent, um die Anfänge seiner Wege zu finden. Zu dem zu finden, was man wirklich gut kann. Aber um Ziele zu erreichen, dafür braucht es deutlich mehr.

Artistfy: Ein musikalischer Charakter ist wichtig. Kannst du mir ein Beispiel nennen?

Project Pandora: Es geht immer mehr verloren, dass Musik einen bestimmten Charakter hat. Und Herbert Grönemyer arbeitet, in meinen Augen, mit einem hohen charakteristischen Wert. Man hört seine Musik und denkt sich „Na klar, das ist der!“.

Aktuell muss immer alles perfekt und mit Autotune bearbeitet sein. Ich habe nichts dagegen, wenn man mal einen Ton nicht trifft oder man sich verspielt. Das macht die Musik auch ein Stück weit persönlicher.

Weitere Infos findet ihr auf Facebook, YouTube oder der Band-Website
Last modified onDienstag, 10 Januar 2017 13:16
(3 votes)
Read 635 times