Interview mit Schockromantik

Artistfy: Am 23. Dezember erschien euer Album „Trafosongs“. 18 Songs gibt es darauf zu hören. Was erwartet den Hörer?

Schockromantik: Den Hörer erwartet eine gehörige Portion Punkrock und es gibt ordentlich was zu lachen, so wie uns die meisten berichteten, die unsere CD bereits gekauft haben. Zudem sollte man schon mal Bier kalt stellen, denn auch das erwartet den Hörer: Bock auf Bier! Bisher waren alle unsere CD-Käufer von „Trafosongs“ begeistert, was uns natürlich sehr stolz macht und uns zeigt, dass wir mit dem eingeschlagenen Weg alles richtig gemacht haben.

Artistfy: Ihr macht Punk Musik. Punk ist gefühlt ein aussterbendes Genre. Ist es dennoch sehr schwer noch Fuß zu fassen oder sich unter den vielen Bands durchzusetzen?

Schockromantik: Tatsächlich haben wir das Gefühl, dass es sehr schwer ist sich durchzusetzen. Ich schreibe im Jahr hunderte von Bewerbungsmails für einzelne Konzerte und Festivals, in den meisten Fällen kommt noch nicht einmal eine Antwort. Sehr oft hören wir aber auch Sätze wie „Punk machen wir nicht mehr“, was aber nicht daran liegt, dass es ein aussterbendes Genre ist, denn Punk Never Dies. Vielmehr liegt es daran, dass viele schlechte Erfahrungen mit dem Publikum bei Punkkonzerten gemacht haben (das bekomme ich immer wieder zu hören) und deswegen in Zukunft lieber darauf verzichten.

So ist es ja in vielen Situationen des Lebens, dass eine kleine Gruppe dem großen Ganzen alles verdirbt. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass in unserem Genre die altbekannten Bands stets etwas Neuem vorgezogen werden. Bei den größeren Festivals wie beispielsweise „Punk im Pott“ spielen Jahr für Jahr dieselben Bands. Ich weiß gar nicht, wie oft wir uns dort schon beworben haben... Auch bei uns in Essen bekommt man den Eindruck, dass bei „Essen Original“ oder dem „Pfingst Open Air“ jedes Jahr dieselben lokalen Bands auf den Bühnen stehen. Dann kommen Bands wie Terrorgruppe oder WIZO, geben Ihre Wiedervereinigung bekannt und spielen die großen Headliner-Touren, als hätte man jahrelang verzweifelt auf diese Bands gewartet, weil es sonst nichts Gescheites gibt. Kurz gesagt: Einen Fuß in die Tür zu bekommen, ist ohne Beziehungen unglaublich schwer, egal wie gut man ist.

Artistfy: Was unterscheidet eure Musik von anderen?

Schockromantik: Ich denke, der Begriff „Funpunk“ beschreibt unsere Musik noch besser als bloß „Punk“. Ernste Themen liegen uns nicht und dann lassen wir da auch die Finger von. Nörgler und politische Bands gibt es im Punk eh schon genug. Wir nehmen uns selber nicht ernst, machen das, worauf wir Lust haben. Wir verstellen uns auch nicht und schlüpfen für die Musik in irgendeine Rolle. Wir bleiben so, wie wir sind. Ich glaube, gerade das macht uns auch so sympathisch. Wenn wir live spielen, gibt es auch immer viel zu lachen, weil wir uns auf der Bühne auch gerne mal gegenseitig auf die Schippe nehmen.

Artistfy: Wird es im Jahr 2017 eine Tour geben oder gibt es schon Auftritte?

Schockromantik: Es gibt ja Bands, die nennen sieben oder acht Konzerte im Jahr verteilt eine „Tour“. Das widerstrebt mir ein wenig. Aber ja, einige wenige Konzerte stehen für das Jahr 2017 bereits fest. Meistens ergeben sich bei den Konzerten neue Kontakte, die wiederum zu neuen Konzerten führen. Deshalb gehen wir davon aus, dass wir auch dieses Jahr auf rund 20 Gigs kommen werden. Hier mal die feststehenden Termine:

16.12.17 Ground Zero, Unsere Weihnachtsshow, mit: tba, Essen
12.08.17 Konzert im Emscherdamm, mit: Überflüssig, tba, Oberhausen
17.06.17 „Scheiss am Gleis“-Festival, bei Liebschütz
03.06.17 "Gott sei Punk", mit: Terrorgruppe, Abstürzende Brieftauben etc., St. Pauli
18.03.17 Support für Elbrebellen, Altes Kino, Bottrop
14.02.17 Konzert im JZ Hüweg, mit: Missing Tuesday, Überflüssig, Essen

Artistfy: Wer sind eure Vorbilder? Gibt es eine Band, die euch besonders inspiriert?

Schockromantik: Jeder in der Band hat seine eigenen Lieblingsbands und Geschmäcker, ich denke, die Schnittmenge davon, ist unsere eigene Musik. Natürlich gibt es auch Bands, die wir alle drei gut finden. Da wären zum Beispiel die Broilers, die Abstürzenden Brieftauben oder auch die Lokalmatadore, mit denen wir auch oft verglichen werden.

Artistfy: Wie geht ihr beim Song schreiben vor? Sind es Themen aus dem Alltag oder eher frei Schnauze?

Schockromantik: Meistens ist es so, dass ich einen Text und/oder eine Melodie im Kopf habe und es zu Hause vorbereite. Das behalte ich dann aber so lang für mich, bis daraus ein fertiger Song entstanden ist. Den stelle ich den Jungs dann im Proberaum vor, erkläre wie ich es mir in etwa vorstelle und dann arbeiten wir es gemeinsam aus und jeder bringt noch seine eigenen Ideen ein. Es sind sowohl Themen aus dem Alltag, aber auch frei Schnauze. „Wir sind alt“ ist beispielsweise ein Song, der sich mit dem Älterwerden auseinandersetzt und gibt das wieder, was viele, die in unserer Generation sind, auch gerade denken.

Lieder wie „Andi Arbeit“ oder „Stumpi“ beruhen in der Grundidee zwar auf realen Personen, denen haben wir aber dann so viel skurriles Zeug angedichtet, dass daraus Kunstfiguren wurden, die mit der Realität absolut nichts gemein haben. Sie sind dann beim Rumalbern entstanden, indem wir uns über irgendwelche Leute lustige Geschichten ausgedacht haben. Dann steigert sich das ganze so lang hoch, bis wir so viel gesammelt haben, dass es für einen Song reicht.

Artistfy: Warum habt ihr mit der Musik angefangen? Was war eure erste Konfrontation mit Musik?

Schockromantik: Der Grund, dass wir mit der Musik angefangen haben, ist natürlich wie bei allen anderen auch derselbe: Frauen. Aber mal ernsthaft: Man hört jahrelang Musik, geht zu Konzerten oder sieht sie sich auf MTV an (YouTube gab es ja noch nicht, die über 30 dürften sich erinnern) und dann denkt man sich mit 14 oder 15: „Hey, DAS willst du auch machen“. Und dann wird die erste Gitarre, der erste Bass oder das erste Schlagzeug geholt und los geht’s. Im Grunde ist es die Liebe zur Musik an sich. Wenn wir mal eine Woche nicht proben können oder ich zu Hause keine Zeit finde mal zur Gitarre oder zum Bass zu greifen, merke ich, dass mir etwas fehlt und meine Stimmung sinkt. Meine erste Konfrontation mit der Musik war mit Beginn der Grundschule in der ersten Klasse. Meine Eltern waren der Meinung, dass es gut wäre, wenn ich ein Instrument lerne.

Da zu Hause schon ein Keyboard herumstand, war es die einfachste Lösung mir einen Keyboardlehrer zu besorgen. Der kam dann jahrelang jede Woche und ich habe es gehasst, weil es auch einfach nicht meine Musik war. Ich habe damals schon Die Toten Hosen und Die Ärzte gehört. Ich musste es aber trotzdem weiter machen nach dem Motto: „Damit der Junge lernt, dass man auch mal was durchziehen muss, was einem nicht passt“. Irgendwann hatten sie dann doch ein Einsehen.

Als ich dann nach meinem 14. Geburtstag meinen ersten Bass haben wollte (ja, ich habe nicht zuerst Gitarre spielen gelernt), haben meine Eltern drauf bestanden, dass ich mir alles von meinem Ersparten kaufen sollte, da ich das ja, wie das Keyboardspielen, eh nicht durchziehen würde. Da ein Lehrer dann auch Verschwendung gewesen wäre, habe ich mir alles autodidakt beigebracht. Zuerst mit Tabs Ramones-Songs mitgespielt und mit der Zeit den Schwierigkeitsgrad erhöht bis zu Sublime und Red Hot Chili Peppers. Wie das bei Andi und Alex war, weiß ich nicht. So „ernste“ Themen gibt es bei uns nicht.

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Last modified onDienstag, 10 Januar 2017 14:34
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