Interview | Setsefix: Ich schaue mich um und sehe den Angriff der „Klonkrieger“

Eine Portion Nachschlag gibt es an dieser Stelle von Rapper Setsefix, der am 1. Mai seinen aktuellen Track Tag Z (wir berichteten) veröffentlicht hat. Textzeilen wie „Würde mir gerade auch ganz gut passen, diese gottverdammte Welt zu verlassen“ und „Euch ist nicht mehr zu helfen, euch kann man nicht mehr retten. Es ist jedes Mal Dasselbe, mein Leben wie in Ketten“ haben uns neugierig gemacht und wir wollten mehr aus der Gedankenwelt des Düsseldorfer Wortakrobaten erfahren und ihn ein Stückchen besser kennenlernen. Offen, sympathisch und als Mensch mit Prinzipien zeigte er sich im Gespräch. Erfahrt aus erster Hand warum Tag Z entstanden ist, was ihn an unserer Gesellschaft stört und ob Künstler wie Peter Maffay in seiner persönlichen Playlist auftauchen.

Artistfy: Mit nur 18 Jahren und einer noch recht vagen Idee hast Du angefangen. Heute verfolgst Du einen zielstrebigen Plan. Gab es in der Vergangenheit Momente, in denen Du überlegt hast, dass Du vielleicht doch etwas Anderes machen willst?

Setsefix: Nein. Ich war mir eigentlich immer sicher, dass ich um jeden Preis Musik machen möchte. Ich habe vorher schon in diversen anderen Projekten aus unterschiedlichen Genres mitgewirkt, fand es aber über kurz oder lang interessanter, vermehrt eigene Texte zu veröffentlichen und bin so beim Rap gelandet. Diese Musikrichtung war für mich noch absolutes Neuland, weswegen ich mich über die Jahre unter dem Motto "vom Nichts zum Irgendwas" herangetastet und meinen eigenen Stil entwickelt habe.

Da ich vorher keine Rapmusik gehört habe, wusste ich nicht wie Rap 'zu klingen hat' und ließ meine eigene Musik aus dem Metalcore-Bereich ab und zu mehr mit einfließen. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es auf jeden Fall weiterhin beim Deutschrap bleiben soll und ich werde versuchen, meinen eigenen Stil noch weiter auszubauen und teilweise noch organischere Musik an den Start zu bringen.

Artistfy: Erähle doch einmal in eigenen Worten, worum es in „Tag Z“ geht und Etwas über die Entstehungsgeschichte des Tracks. Was hat Dich zu gerade dieser Story inspiriert?

Setsefix: Tag Z ist ein Track darüber, wie ich mein Umfeld sehe. Ich schaue mich um und sehe den 'Angriff der Klonkrieger'. Obwohl Krieger bei den Meisten wohl auch nicht der richtige Begriff ist. Meinetwegen ist es auch eine allgemeine Kritik an der heutigen Gesellschaft und die Erinnerung an mich selbst, meine eigene Welt mehr zu beschützen und davon abzugrenzen.

Artistfy: Heißt das, dass Du "deine Welt" nicht mehr mit der heutigen Gesellschaft identifizieren kannst? Worin genau siehst Du hier die Problematik?

Setsefix: Ich mag diese oberflächliche Generation „Snapchat und Co“ nicht. Ich sehe es immer wieder auf Konzerten. Natürlich ist es toll, ein gutes Konzert zu Filmen und das online zu teilen. Aber nur hin zu gehen, um dann 10 Sekunden auszurasten, das dann zu Filmen, damit es toll aussieht und alle einen feiern. Das ist wohl der falsche Ansatz, in meinen Augen. Diese auf Likes etc. fixierte Gesellschaft, die einfach nicht verstehen will, dass es auch am Ende ihres Lebens nichts bringt, die meisten #RIPmistersowieso-Kommentare zu haben.

Ich für meinen Teil grenze noch davon ab und versuche meine Reichweite in Form von Likes neben meinen eigenen Interessen auch für die ein oder andere Nachricht zu nutzen. Wer mich kennt und/oder bei meinen Texten mal genauer hinhört, wird merken, dass ich da doch schon ein enormer Gegner des aktuellen Systems und der heutigen Gesellschaft bin.

Artistfy: Über Deine Einflüsse sagst Du, diese seien „Die harte Schule des Lebens und ein schier unstillbares Suchtverlangen nach Musik (fast) jeder Art!“. Welche Musiker magst Du, die man dir als Außenstehender absolut nicht zutrauen würde?

Setsefix: Peter Maffay, Gregorian, Madredeus,... Das, denke ich, ist wohl am Ehesten nicht von mir zu erwarten. Ansonsten beeinflussen mich mein Idol Corey Taylor, Rapkünstler wie Prinz Pi, Damion Davis oder Amewu.

Was die harte Schule des Lebens angeht, kann ich auf die Schnelle nur sagen, dass ich schon so Einiges an Subkulturen kennenlernen durfte/musste. Dies war nicht immer schön, aber teilweise verdammt lehrreich und sehr inspirierend in dem, wie man sein eigenes Leben gestalten möchte. Das hat auch letzendlich mit dazu beigetragen, dass ich heute als Setsefix öffentlich auftrete, eine Haltung repräsentiere und Musik mache.

Artistfy: Ist es für Dich also essentiell wichtig, dass man als Mensch eine eigene Meinung hat und diese auch nach außen trägt?

Setsefix: Man muss nicht jedem seine Meinung aufbinden. Ich bin beispielsweise Vegetarier und habe es selber satt immer, die gleichen Diskussionen zu führen. Ich mache Meins, ihr Euers. Fertig aus. Aber wichtig ist zu wissen, warum man etwas macht. Nicht einfach eine Meinung anderer annimmt. Es ist ja schön und gut, wenn ihr feststellt , dass ihr die selbe Meinung wie wer anders habt. So lernt man schließlich auch neue Freunde kennen, aber dir Wenigsten kommen wirklich von alleine auf eine 'eigene Meinung'. Also ja, weniger mitschwimmen, mehr selber hinterfragen!

Artistfy: Und sind in Deinem Leben Dinge geschehen, die Dich tatsächlich fortwährend geprägt haben?

Setsefix: Trennung der Eltern, frühes Abhauen von Zuhause und eine schier unendliche Angst, etwas verpassen zu können haben mich schnell wachsen und viel lernen lassen. Aber ich habe mir angewöhnt immer etwas Positives aus meinen Erfahrungen zu ziehen, was mich heute recht stark meinen Standpunkt halten lässt. Das Endprodukt ist ein Lebensmotto in Form einer schlichten Formel. "Wie du mir, so ich dir; hoch zehn!" Bist du nett zu mir, kann ich dein bester Freund sein. Gehst du mir auf die Nerven, mache ich dir dein Leben zur Hölle. Meine Freunde haben das mittlerweile sehr gut drauf und wissen es zu schätzen, dass sie immer auf mich zählen können. Der Rest interessiert mich nicht.

Artistfy: Was meinst Du mit "verpassen"?

Setsefix: Ich hatte immer Angst, dass ich meinen Kindern oder wem auch sonst später nicht erzählen kann "ja da und da war ich auch dabei, den Künstler habe ich live gesehen, etc." Viele Bekanntschaften mit neuen Menschen zu machen, viele Subkulturen, viele Länder, Städte und Orte zu entdecken, Konsumgüter, Nahrungsmittel, Religionen... was auch immer. Ich will immer alles sehen, alles erleben, alles ausprobieren. Vielleicht kann man es auch "lebenshungrig" nennen. Unstillbare Neugier und das Verlangen nach neuen Erfahrungen. Auf die Frage "wann hast du etwas das letzte mal zum ersten mal gemacht?" möchte ich am liebsten immer mit "gerade eben" antworten.

Artistfy: Arbeitest Du aktuell an einem neuen Album oder einer EP? Wie gehst Du bei der Konzeption und der anschließenden Umsetzung vor? Entstehen erst die Texte, dann die Beats?

Setsefix: Ich bin gerade an ein paar Einzelwerken dran und plane im Hintergrund ein neues Album. Das ist immer unterschiedlich. Manchmal sitze ich bei einem befreundeten Produzenten und er zeigt mir etwas und wenn es mir gefällt, versuche ich darauf etwas zu schreiben. Ansonsten schreibe ich viel und quasi immer und überall. Auf einem Zettel in der Kneipe, zu Hause am PC oder unterwegs mit dem Handy. Der Feinschliff kommt aber so oder so immer erst am Ende, wenn beides steht.

Weitere Infos zu dem Künstler findet ihr auf Facebook und YouTube.
Last modified onMittwoch, 14 Juni 2017 05:32
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