Alin Coen Band - Die Leidenschaft im Konzert

…kurz, aber ganz nah bei dir. An dir und deinen Lippen hängend. Ich mag dich sehr gern – mit etwas Abstand versehen... Zaghaft – fast schon ein wenig schüchtern – schwebt die zierliche Alin Coen auf die Bühne des Berliner Huxley's. Der ausverkaufte Saal verstummt augenblicklich und alle Köpfe sind auf sie gerichtet.

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Erwartungsvoll begrüßen sie zunächst still und abwartend die zarte Frontfrau der Alin Coen Band bevor die Freude Bahnen bis in ihre Hände schlägt und das gesamte Publikum beginnt, sie stürmisch – ja beinahe ekstatisch zu empfangen. Leise, aber dennoch klar und deutlich haucht Alin einige gesprochene Sätze ins Mikrofon, bevor ihre blassen Finger die Saiten ihrer Akustikgitarre streicheln. „Wer bist Du“ – die so sehr geliebte und von ihr gelebte Melancholie hält nun Einzug. Wegen dieser, in eine fragile und zugleich kraftvollen Stimme ummantelten Texte, die vom Lieben und Entlieben, von Freiheit und Nähe und vom Lassen und Loslassen handeln, teilen wohl die meisten der Zuschauer den Abend des 16. Februars nur zu gern mit der Singer- Songwriterin.

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Ein wenig schmerzverzerrt schaut sie vom Mikrofon hoch. Manchmal lächelt Alin auch. Aber auffallend oft sind ihre Augen geschlossen. Es scheint, als durchleben sie und ihr gesamter Körper mit allen Fasern die ewigen Etappen der Liebe, des Kummers und des Abschieds mit jeder Silbe neu. Das reißt mit. Man nimmt ihr den Schmerz ab und findet sich plötzlich ebenfalls darin wieder und leidet. Ganz ungewollt, aber mindestens ebenso theatralisch. Und es macht Spaß! Gerade, als man dazu bereit ist, seinen Kopf in diese wunderbar weiche und rosadunkle Lavalampe zu halten – freiwillig – um ihn mit Emotionen und watteweichen Klängen zu umspülen, wird man unsanft herausgerissen. Von schier nie endenden Songs, die Alin englischsprachig vorträgt. Musikalisch sind sie zwar allesamt ähnlich arrangiert, dennoch fehlt es ihnen an Seele. Diese feinen Nuancen und das große Spektrum, das sie fein säuberlich und überraschend bis in die kleinste Ecke einnimmt um es bis auf das Maximalste in die Welt hinaus zu hauchen, so dass man durch ihre Stille in den Bann gezogen wird, gelingt der Alin Coen Band bravurös in der deutschen Sprache.

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Unverkennbar ist Alins stimmliche Vielseitigkeit – gekonnt schwebt sie umher, nimmt mal Platz an einem Lagerfeuer und säuselt sanft oder bäumt sich kraftvoll dem Geliebten auf und verschafft sich somit Gehör. Und Anerkennung! Zweifellos besitzt Alin Coen eine unglaublich facettenreiche Stimme, die sie beim anfänglichen Hören auch geschickt einzusetzen vermag und sich gerade in ihrer verletzten Zurückhaltung voll entfaltet.

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Das ist zwar beindruckend, aber nicht berührend. Während nun auch spartanisch eine E-Gitarre ihren Einsatz findet, die Bühnenbeleuchtung abgedunkelt wird, die Zweitstimme einen passablen Sidekick darstellt, schwingt Alin sich leicht irre in zuckenden Bewegungen ganz fein am Takt vorbei. Die beste Gelegenheit, um dem Hintergrundbild eine genaueren Beachtung zu schenken. Gut, eine blau angeleuchtete „Malerei“ die perfekt zur psychodelischen Gesamterscheinung passt, die hier im Moment audiovisuell geboten wird. Dieser „Moment“ ist eine gefühlte eine Ewigkeit.

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Eine Ewigkeit, in der man sich nach Theatralik und Sentimentalität sehnt, die einem ganz unverblümt und ehrlich eine Gänsehaut verpasst soll. Zwischen Bangen und Hoffen, aufkeimender Langeweile und beginnender Resignation lächelt Alin „Einer will immer mehr“ ins Mikrofon. Ja, mehr! Bitte mehr als nur eine handvoll deutscher Songs, liebe Alin Coen Band! Damit der Kopf endlich wieder in die Lavalampe gezogen wird um euren lyrischen Großartigkeiten zu lauschen, die sich scheu und nachhallend in unser Hirn schlafen legen.

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